Skitourenkoordination 2012
Ski- und Schneeschuhtouren gehen liegt voll im Trend. Immer mehr Freizeitsportler drängen in die Natur um die herrliche Winterlandschaft zu genießen. Doch das vermehrte Auftreten von Wintersportlern birgt auch einiges an Konfliktpotenzial mit der Forstwirtschaft und der Jagd.
Während Wintersportler die Natur möglichst uneingeschränkt nutzen wollen, steht bei der Forstwirtschaft die langfristige Sicherung des Ertrages aus der Holzgewinnung und das unbehinderte Bewirtschaften im Vordergrund. Die Jägerschaft wiederum wünscht sich möglichst wenig Störung für das Wild. Alle wollen die Natur nützen, aber die Bedürfnisse scheinen einander zu widersprechen. Und dann kommt noch der Naturschutz hinzu: Dort wo es gilt bedrohte Arten zu schützen und den natürlichen Charakter der Natur zu bewahren, scheint Natur nützen und Natur schützen im krassen Widerspruch zu stehen.
Bei der Skitourenkoordination am 17. Und 18. Dezember 2011 im Nationalpark Gesäuse sollten diese Konflikte von Tourenführeren der Naturfreude mit Vertretern der Nationalparkverwaltung und der Forstwirtschaft und der Jagd diskutiert werden. Ziel war es wechselweise die Interessen der anderen verstehen zu lernen und Wege für ein gedeihliches Miteinander zu suchen. Für uns Tourenführer war es wichtig zu verstehen, welche Positionen unsere vermeintlichen Gegenspieler einnehmen und mit Ihnen in einen Dialog zu treten.
Dabei ist in einem Nationalpark alles noch ein Wenig komplizierter: Nicht der Wirtschaftliche Ertrag des Waldes und die Jagd stehen im Vordergrund, sondern das Bestreben der Natur möglichst ihren natürlichen Lauf zu lassen, Eingriffe durch den Menschen auf ein Minimum zu reduzieren und bedrohten Arten einen Lebensraum zu bewahren. Gleichzeitig soll der Mensch aber nicht ausgesperrt werden, sondern die Gelegenheit bekommen die Natur zu erfahren und zu genießen. Wir fragten uns ob Natur schützen und Natur nützen hier zu unvereinbaren Gegensätze werden? Und wie gehen wir als Naturfreunde mit diesem Konflikt um, wo wir doch den Freizeitsport in der Natur und Naturschutz gleicher Maßen auf unsere Fahnen heften?
Wir erfuhren, wie man im Nationalpark Gesäuse versucht damit umzugehen: Die Forstverwaltung heißt hier Wald- und Wildtiermanagement und wird für die Pflege von Wald, Landschaft und Lebensraum der Wildtiere bezahlt. Aus dem Wald soll kein wirtschaftlicher Ertrag lukriert werden und auch Jagdreviere gibt es hier nicht. Die immer größer werdende Anzahl an Skitourengeher führte dazu, dass praktisch alle möglichen Routen begangen werden. Die Vertreter des Naturschutzes kamen durch ihre Forschungstätigkeit dahinter, dass zwei beliebte Skirouten auf den Gscheideggkogel und den Lugauer mitten durch das winterliche Rückzugsgebiet von Auerhahn und Birkwild führten. Gerade diese Arten haben aber so spezielle Anforderungen an ihren Lebensraum, dass sie nicht in der Lage sind dem Wintersportler in andere Bereiche auszuweichen.
Im Nationalpark wird deshalb versucht über die sogenannte Skitourenlenkung die Wintersportler auf andere Routen zu lenken. Neue Routenverläufe wurden festgelegt, Infotafeln aufgestellt, Routen mit Schneestangen und Pfeilmarkierungen gekennzeichnet und Folder gedruckt. Aber das ist nicht alles: Durch den nun definierten Routenverlauf, kann dieser auch als Skitour erhalten werden: Die Route wird laufen so ausgeschnitten, dass ein bequemes Abfahren in sonst mit Buschwerk verwachsenem Gelände bequem möglich wurde. Holzbrücken wurden errichtet um ein überqueren von Bächen problemlos zu ermöglichen. An stark frequentierten Tagen passen Nationalparkranger auf, dass die geschützten Bereiche möglichst nicht befahren werden. Da die meisten Skitourengeher dankbar einer bereits vorhandenen Steigspur folgen, stehen nach Neuschneefällen Nationalparkranger früh auf um bereits vor den ersten Skitouristen Steigspuren auf den empfohlenen Routen anzulegen und so die Tourengeher dorthin zu lenken.
Interessant war auch zu erfahren, dass die Skitouren im Johnsbachtal nur teilweise auf Grund und Boden des Nationalparks verlaufen. So liegen die beliebten Touren südlich des Johnsbaches auf den Leobner und das Blaseneck im sogenannten Schattwald, einem Wirtschaftswald der Forstverwaltung Admont. Die Skitourenlenkung gibt es auch hier. Sie soll helfen die Konflikte der Skitourengeher mit privaten Grundbesitzern und der Forstverwaltung zu vermeiden.
Die Konflikte sind hier freilich andere als im Nationalpark. Ein Beispiel: Gerade in schneearmen Wintern versucht die Forstverwaltung ihre Arbeiter auch über den Winter zu beschäftigen. Dies führte im vergangenen Winter dazu, dass auf einer Forststraße der Schnee geräumt wurde, um Holzschlägerungen durchführen zu können. Diese Forststraße gehört aber auch zur einer markierten Skitour auf das Blaseneck. Proteste von Skitourengehern folgten, die in der Schneeräumung auf einer markierten Skitour einen Bosheitsakt wähnten. Es entstand eine Diskussion, die zu einem schönen Kompromiss geführt hat. Die Forststraße wird künftig tunlichst nicht mehr geräumt und wenn doch, dann nur mehr so, dass den Skitourengehern ein Streifen Schnee bleibt über den bequem aufgestiegen und abgefahren werden kann.
Das was wir am Samstag anhand von Vorträgen diskutieren konnten, sahen wir uns am Sonntag bei einer Skitour gemeinsam mit Vertretern des Nationalparks und der Forstverwaltung in der Natur an. Gerade am Gscheideggkogel wurde uns bewusst, dass wir Skitourengeher durch die Skitourenlenkung auf nichts verzichten müssen. Der neue Tourenverlauf ist sogar logischer als der alte. Und um den Lugauer zu erreichen muss man nun zwar einen Umweg in Kauf nehmen, der ist aber bequemer und sicherer als der traditionelle Verlauf über den Haselkogel.
Alle, Teilnehmerinnen und Teilnehmer und unsere Diskussionspartner waren sich am Ende der Koordination einig: Natur nützen und Natur schützen müssen keine unüberbrückbaren Gegensätze sein, wie auch die verschiedenen Nutzungen untereinander nicht. – Funktionieren wird es aber nur, wenn alle Beteiligten bereit sind miteinander zu reden und sich bemühen an einem Strang zu ziehen. – Uns Tourenführerinnen und Tourenführer der Naturfreunde kommt dabei die Verantwortung zu, bei unseren Teilnehmerinnen Bewusstsein und Sensibilität für die Natur und die Interessen der anderen zu vermitteln.
Wir danken Karo Scheb, Daniel Kreiner und Andreas Hollinger von der Nationalparkverwaltung sowie Andreas Holzinger und Martin Zorn von den Steiermärkischen Landesforsten dafür, sich uns unentgeltlich für Vorträge, Diskussion und eine geführte Skitour zur Verfügung gestellt zu haben.
Peter Plundrak

















